Ach soooo! Der Knackpunkt in meiner Hundeerziehung war der Moment als ich verstanden habe, dass mein Hund seine Triebe ausleben MUSS.

Hund hört zu

Triebgerecht üben

Nelson tut nichts, um mich bewusst zu ärgern. Leider auch nicht um mir bewusst eine Freude zu machen (schade, aber wahr). Der Knackpunkt in meiner Hundeerziehung war der Moment als ich verstanden habe, dass Nelson seine Triebe ausleben muss. Das ist eine simple aber wichtige Erkenntnis. Sie hilft mir immer wieder dabei, meine Enttäuschung zu überwinden, wenn Nelson meinem Abruf nur halb folgt und nach der Hälfte der Strecke einen scharfen Haken schlägt, seine Nase auf den Boden presst und eine Fährte aufnimmt, die ihn zum nächsten Gaumenschmauss führt und nicht zu mir. Nelson ist ein Labrador Retriever und nimmt seine Abstammung sehr ernst. Er ist ein sehr triebiger Hund und besitzt einen stark ausgeprägten Beutetrieb. Eigentlich ist Nelson ja auf die Welt gekommen, um die Enten zu apportieren, die ich schieße. Doch leider bin ich kein Jäger!

Ein Kollege von Nelson, der auch im fortgeschrittenen Alter für sein Leben gerne apportiert.

Besonders am Anfang seiner Erziehung hat uns seine Triebhaftigkeit oft verzweifeln lassen. Es war fast unmöglich ihn frei laufen zu lassen, weil Abbruch-Kommandos oder Rückruf einfach nicht funktionieren wollten. Erst in dem Moment als wir verstanden haben, dass seine starken Triebe der Grund für seine „Schwererziehbarkeit“ sind, ist der Knoten geplatzt. Wir haben gelernt seine Triebe für die Erziehung zu nutzen anstatt dauernd zu versuchen, sie ihm abzugewöhnen. Heute glaube ich sogar, dass es nicht nur blödsinnig, sondern vermutlich sogar unmöglich ist einem Hund, die über Generationen hinweg angezüchteten Eigenschaften abgewöhnen zu wollen. Vielmehr nutzen wir jetzt seine Triebe für die Erziehung und sind damit wesentlich erfolgreicher.

 

Kein Hund will seinen Halter ärgern (oder erfreuen)

Jeder Hund ist ein triebgesteuertes Wesen. Manche mehr, andere weniger. Für ein bestimmtes Verhalten sind verschiedene Triebe verantwortlich und nicht, wie mancher Hundehalter glaubt, besondere Zuneigung, Intelligenz oder gar ein schlechter Charakter. Alle Triebe lassen sich den beiden Grundtrieben zuordnen: Selbsterhaltung und Arterhaltung.  Davon leiten sich viele weitere Triebe ab wie, z. B. Jagd- und Beutetrieb oder Geschlechts- und Wachtrieb.  Und daraus wiederum eine Instinkthandlung, mit der der Hund seinen Trieb befriedigt. Wenn dein Hund dir morgens einen Schuh vor dein Bett legt, will er dir damit vielleicht etwas sagen? Z. B. „Können wir jetzt endlich Gassi gehen?“Nein, so intelligent oder führsorglich ist er nicht. Bitte entschuldige, wenn ich jetzt deine romantische Vorstellung zerstöre. Dein Hund folgt einfach nur seinem Beute- und Bring-Trieb.

Hiiiiier! Mit dem richtigen Schlüsselreiz folgt Nelson triebig auf den Rückruf.

Zu wissen, dass ein Hund seine Handlungen aus einem Trieb heraus ausführen MUSS und sich nicht frei entscheiden kann etwas zu tun oder zu lassen ist meiner Meinung nach entscheidend für die Hundeerziehung. Triebstarke Hunde, wie Nelson, sind Tiere mit einem hohen Energieniveau. Wir sind täglich drei bis vier Stunden mit ihm unterwegs, um ihn auszulasten. Dabei ergänzen wir die Spaziergänge mit allerlei Übungen, die seinen Trieben entsprechen. Z. B. sprechen wir für den Rückruf seinen Beutetrieb mit einem spezifischen Schlüsselreiz an. Man kann deutlich erkennen, dass Nelson dem Rückruf triebig folgt und dabei auch noch Spaß hat. Und was gibt es schöneres als einen Hund, der wie eine Rakete auf seinen Halter zugeschossen kommt und sich in freudiger Erwartung neben dich setzt?

 

Sei empathisch! Versetze dich in die Lage deines Hundes

 Also, wenn du deinen Hund erfolgreich erziehen willst, versuche öfter mal, dich in seine Lage zu versetzen. Besonders dann, wenn er unerwünschtes Verhalten zeigt. Überlege dir, welchem Trieb dein Hund dabei folgt und mit welchem Schlüsselreiz du die Triebstimmung deines Hundes unterbrechen kannst oder wie du ihn beim nächsten Mal gar nicht erst in die ungewünschte Triebstimmung kommen lässt. Eines sollte dir jetzt klar sein.

Wer seinen Hund verstehen will, muss genau zuhören!

Die Ursache für das (unerwünschte) Verhalten deines Hundes, sind immer Schlüsselreize die einen bestimmten Trieb auslösen. Kein Hund will/kann seinem Halter bewusst Ärger oder Freude bereiten. Aber JEDER Halter kann die Triebe seines Hundes für eine erfolgreiche Erziehung nutzen!

Lerne mehr über das Thema Triebe und Hundeerziehung in meinem ePaper „Wie du mit 3 Regeln deinen Hund zu einem treuen und glücklichen Begleiter erziehst, ohne daran zu verzweifeln.“

 

Please like or share with friends and colleagues

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.