Gehst du noch in´s Büro oder arbeitest du schon?

Effizient arbeiten im Home Office

Studien belegen, dass mobile Mitarbeiter effektiver und zufriedener sind als ihre Kollegen im Büro. Hat das Büro als Arbeitsstätte ausgedient?

Über einen Tag im Büro und erbrochenes auf dem Konferenztisch

„Konzentriere dich, Pascal! Konzentriere dich! Konzäääntrüüüre düüch!“ EinTeil meines Gehirns versucht verzweifelt gegen das visuelle und akustische Dauerfeuer im Büro anzukämpfen. Doch die Kakophonie aus plappernden Kollegen, Telefongesprächen, eingehenden E-mails und absatzbewährten Schuhsohlen, die scheinbar versuchen den Fußboden zu perforieren, bohrt mit jeder Minute tausende kleine Löcher in meinen willensstarren Konzentrationswall. Ich spüre, wie der Lärm langsam und unaufhaltsam zu mir durchdringt, wie Lichtstrahlen durch Spalten und Löcher einer Holzwand. Bloß fühle ich mich nicht erleuchtet, wie ein zuvor dunkler Raum, sondern extrem genervt. „KONZENTRIERE DICH, PASCAL“! Mittlerweile brüllt auch noch mein eigener Kopf, um sich gegen den Grundlärm durchzusetzen und meine Gedanken wieder auf das Kommunikationskonzept zu richten, an dem ich gerade versuche zu arbeiten.

Großraumbüro
Das Großraumbüro gilt als besonders wirtschaftlich, weil viele Menschen auf wenig Raum untergebracht sind.

Mir wird übel
Jeder, der an meinem Platz vorbeikommt, versucht irgendwie Kontakt aufzunehmen, visuell oder akustisch. Ich entscheide mich unkollegial zu sein, verweigere jede Sozialisierungsmöglichkeit und starre wie gebannt auf meinen Screen, wo mir der blinkende Cursor zuflüstert „Schreib doch endlich was, du Lusche“! Geht nicht, weil mich der CFO (Kassenwart) fragt: „Pascal, kannst du mir mal eben die Zahlen von Oktober rüberschicken“? Mein Schutzwall bricht zusammen, ich kapituliere und verziehe mich mit Laptop und gutem Willen in den Konfi, schließe die Türe und erlebe die unglaublich entspannende Wirkung von Ruhe. Nach fünf Minuten beginnen die Wörter zu fließen, der Cursor hört auf mich zu beleidigen und lässt stattdessen meine Gedanken als Pixel vor mir auf dem Screen erscheinen. Geil! Ich arbeite. Für kurze Zeit stellt sich das Gefühl von Zufriedenheit ein.

„Pascal, guck bitte mal eben auf das Layout“. Die kurze Zeit ist vorbei. OK, kleine Unterbrechung, Layout abgenickt, die Kollegin verlässt den Raum und ich habe wieder Ruhe. „Pascal, Sorry, aber der Konfi ist belegt. Wir haben hier in zehn Minuten ein Meeting“. Ich fasse es nicht und erfreue mich für ein paar Sekunden an dem Gedanken, meinen Kollegen eine frische Lache Erbrochenes auf dem Konfitisch zu hinterlassen. Mache ich natürlich nicht. Kann gerade nicht kotzen. Also, raus aus dem Konfi und zurück ins Büro. Vielleicht klappt es jetzt mit dem Arbeiten am Schreibtisch.

„Wenn dich der Lärm stört, hör doch Musik!“
An meinen Platz angekommen, setzte ich mich mutlos auf meinen Stuhl, weil sich erwartungsgemäß nichts geändert hat. WTF! Ich äußere meinen Unmut bei unserem CEO (Chef), der übrigens im gläsernen Einzelbüro mit geschlossener Türe sitzt. Wieso eigentlich? Weil er sich bei Lärm noch schlechter konzentrieren kann als ich (warum ist der Vollpfosten dann Chef?)? Nein, Spaß beiseite und Sorry für den Vollpfosten. Das Einzelbüro ist völlig OK. Auch als Status Symbol und Ausdruck dessen, dass hier ein besonders fleißiger und intelligenter Mensch sitzt, der immer eine Lösung bieten kann. „Pascal, wenn dich der Lärm stört, setz´ dir einen Kopfhörer auf und hör Musik. Außerdem kann man Konzepte auch abends oder am Wochenende zu Hause schreiben. Da hat man Ruhe.“ Wieder denke ich an die Lache frischer Kotze auf dem Konfitisch.

Verzweiflung
Nicht ich, aber ein gleichermaßen verzweifelter Kollege.

Das ist keine Parodie sondern ein ganz normaler Tag in meinem früheren Job. So oder ähnlich geht es vermutlich vielen Denkarbeitern in den Büros dieser Welt. Wobei der Begriff „Denkarbeit“ in diesem Kontext dann doch eher eine Parodie ist.

 

USA: Nur noch 32% der Büroarbeiter sind motiviert

Zugegeben, das obige Beispiel ist spitz und mit viel Freude am Schreiben dargestellt. Dennoch, selbst bei nüchterner Betrachtung werden die meisten von euch zumindest teilweise zustimmen. Ablenkungen und Unterbrechungen im Büro, und ganz besonders im Großraumbüro, sind Killer für den eigenen Workflow. Die Effizienz sinkt, oft erledigt man sein persönliches Tagespensum nur, indem man den Tag im Büro ein bisschen länger werden lässt. Das schafft Frustration! Der Frust vertieft sich durch die Erkenntnis, dass man die Arbeit, die man mühevoll im Büro erledigen muss auch bequem und schneller mittels Laptop und Smartphone von zu Hause oder sonst wo erledigen kann. Einzige Voraussetzung ist eine leistungsfähige Internetverbindung und ggf. eine gute Kollaborations-Software. Doch dazu später mehr.

Einer Gallup Studie zufolge sind gut 50% der Arbeitnehmer in den USA „Not Engaged“! Diese Mitarbeiter sind weniger engagiert oder enthusiastisch als ihre Kollegen und bringen sich kaum aktiv ein. Sie erscheinen zwar zur Arbeit, schlagen aber die Zeit tot und erledigen ihren Job mit minimalem Aufwand.

Arbeitsverhalten
Engagement von Büroangestellten in den USA

Weitere 17% wurden sogar als „Actively Disengaged“, also als bewusst teilnahmslos und unproduktiv, eingestuft. Nur ca. 32% der Mitarbeiter gelten als „Engaged“. Zig Millionen Menschen hängen in den Büros ab und schlagen die Zeit tot. Verheerend! Und ein teurer Spaß für Arbeitgeber obendrein, bedenkt man, dass ein Unternehmen in den USA im Schnitt 12.000 $ pro Jahr und Mitarbeiter in die Bürofläche investiert. Sicher lassen sich die Daten aus den USA nicht 1:1 auf den deutschen Arbeitsmarkt übertragen, aber wer über etwas Arbeitserfahrung verfügt, wird wenigstens grobe Übereinstimmungen feststellen.

 

Mobile arbeiter sind effektiver und zufriedener

Denkarbeiter vei der Arbeit
Arbeit ist kein Ort, sondern Tätigkeit und innere Haltung. 

Demgegenüber steht Studie, über Studie, über Studie, die belegt, dass Mitarbeiter, die von den Einschränkungen des täglichen Bürolebens befreit sind, produktiver, zufriedener und engagierter sind als ihre Kollegen im Büro.
Woran liegt´s? Z. B. daran, dass der Tag besser anfängt. Mobiles arbeiten eliminiert den täglichen Zeitverlust durch Pendeln. Eine Recherche von Zeit Online belegt, dass nur 23% der deutschen Arbeitnehmer den Weg zur Arbeit binnen 10 Minuten schaffen. Der große Rest braucht irgendwas zwischen 10 Minuten und mehr als einer Stunde. Einfacher Weg, versteht sich! Realistisch kommen die wenigsten unter 1,5 Stunden pro Tag zur Arbeit und zurück. In dieser Zeit erledige ich im Home Office hoch effektiv meine Arbeit. Wohl wissend, dass der Rest des arbeitenden Deutschlands jetzt im Stau steht. Das alleine macht zwar noch nicht glücklich, aber schon große Freude.

Weitere „Glückselemente“ sind die gefühlte Autonomie und die hohe Effizienz. Als mobiler Arbeiter genieße ich die Freiheit entscheiden zu können, wann und wo ich arbeite. Das lässt sich deutlich besser mit Familie, Hund und dem eigenen Arbeitsrhythmus vereinbaren. Das bedeutet nicht, dass die „Mobilen“ schlecht erreichbar sind und durch den Tag trödeln. Im Gegenteil, sie sind hoch engagiert, pflichtbewusst und  permanent erreichbar. Dringende Anliegen von Kunde oder Chef können genau so schnell von unterwegs beantwortet werden, wie im Büro. Dank mangelnder Ablenkung häufig sogar schneller. Beeindruckende 91% der Befragten einer weiteren Studie geben an, außerhalb des Büros effektiver zu arbeiten!

Eigene Erfahrung
Das kann ich mit eigenen Erfahrungen bestätigen. Während eines Familienurlaubs im andalusischen Kitesurf-Mekka Tarifa, ist mir die bisher erfolgreichste Kampagne meines Lebens gelungen. Innerhalb weniger Tage haben meine Partner und ich eine umfangreiche Empfehler-Marketing Kampagne aufgesetzt, mit dem Ziel möglichst viele Neukunden/E-mail Adressen für unsere Homesharing Platform KiteBnB zu generieren. Mein „Büro“ war die Couch im Caffee der alten Hazienda, in der wir unseren Urlaub verbrachten.
Ein heller, warmer, luftiger und freundlicher Ort.

Bei solchen Perspektiven arbeitet man gerne etwas schneller.
Büro mit Ausblick. Bei solchen Perspektiven arbeitet man gerne etwas schneller.

Hier habe ich Ideen und Kampagnen-Architektur entwickelt, das Seeding geplant, Social Media Kanäle gestartet, und Texte für Landing Page und E-mail Marketing geschrieben. Meine Partner haben parallel in Essen und Palma de Mallorca die Landing Page realisiert. Das Gesamtpaket war innerhalb von acht Tagen fertig. Meine Arbeitszeiten waren morgens zwei Stunden nach dem Frühstück und zwei Stunden am frühen Abend, bevor wir uns auf den Weg in eine der hervorragenden Tapa Bars gemacht haben. Dazwischen war Zeit für Familie, Strand, Ausflüge und natürlich Kitesurfen. Zugegeben, das ist nicht die klassische Version des Home Office, zeigt aber, wie effektiv und produktiv mobile Arbeit ist. Die Kommunikation zwischen den weit voneinander entfernten Partnern und die Koordination des Projektes haben wir mit Kollaboration-Software, wie z. B. Asana oder Bitrix gelöst. Als Lohn für unsere Arbeit haben wir innerhalb der ersten 24h nach Launch der Kampagne über 1.000 E-mail Adressen gesammelt!

Hohe Konversionsraten und tolle virale Verbreitung.
Conversion Rates von über 30% und beindruckende Viralität waren der Lohn für das mobile Arbeiten.

Das Monitoring der laufenden Kampagne konnte ich bequem und jederzeit mittels Software von KickoffLabs auf meinem Handy oder Laptop durchführen. Die gleiche Arbeit hätte in der Agentur Wochen gedauert und ein Vermögen gekostet. Das Beispiel soll zeigen, wie hochmotivierend und erfolgreich Arbeit an einem selbstgewählten Ort und zu einer selbstbestimmten Zeit ist. Gleichzeitig wird klar, warum mobile Arbeiter so effizient sind. Weil sie nach getaner Arbeit frei haben, während die Kollegen im Büro ihre Zeit absitzen müssen, egal ob sie etwas zu tun haben oder nicht. Wen wundert es da noch, dass die Zufriedenheit mobiler Arbeiter mit zunehmender Dauer ihrer Autonomie steigt?

 

warum tun sich Arbeitgeber schwer damit, ihren Mitarbeitern mehr Flexibilität zu ermöglichen?

Die Digitalisierung verändert unsere Arbeitswelt tiefgreifend. Nicht nur das, was wir tun, sondern auch wo und wann wir die Arbeit leisten. Warum reagiert die Arbeitgeberschaft so schleppend auf die Forderung der Arbeitnehmer nach mehr Autonomie?
Vielleicht weil ein gefülltes und brummendes Büro den repräsentativen Charme einer römischen Sklavengaleere auf dem Weg in den dritten makedonischen Krieg verströmt? Ein geschulter Mann am Rudergriff, während die restlichen Ruderer nach Leibeskraft am Riemen ziehen und die Galeere unter seiner Führung zum glorreichen Sieg rudern. Macht sich gut, wenn Kunden oder CEOs durch den Raum geführt werden, „Schau her! Alle brav, alle busy.“

Im Ernst, sicher spielen repräsentative Zwecke eine Rolle. Coole und extravagante Gebäude ziehen immer noch bei Kunden und Mitarbeitern. Persönlich glaube ich, dass der wesentliche Grund für die skeptische Haltung der Arbeitgeber darin liegt, dass sie gefühlt die Kontrolle über ihre Mitarbeiter abgeben müssen. Viele glauben immer noch an die Gleichung Anwesenheit = Arbeit. Das es sich dabei um eine Milchmädchenrechnung handelt wissen wir.

 

Hat das Büro als Arbeitsstätte ausgedient?

Nein! Mobiles Arbeiten ist ideal für diejenigen, die es wollen und deren Job es zulässt. Klar, dass wir hier über Denkarbeiter sprechen und nicht über Kassierer, Bäcker oder den Chirurgen, der seine Patienten zukünftig zur Blinddarm-OP auf den Wohnzimmertisch bittet. Längst nicht alle Kollegen können die Freiheit und damit verbundene Autonomie des mobilen Arbeitens genießen. Gründe sind Angst vor Überforderung und Kontaktverlust. Studienergebnisse weisen darauf hin, dass mobiles Arbeiten das Verhältnis zu den Kollegen verschlechtern kann (nicht muß). Mitarbeiter, die nicht aus eigener Motivation im Home Office arbeiten, sind unzufrieden und ihre Leistung fällt ab. Viele Manager und Personaler argumentieren  gerne damit, dass sich die Mitarbeiter vor Ort besser mit dem Unternehmen identifizieren können, Vertrauen in das Management aufbauen und das Teamwork die Kooperation und Kollegialität fördert. Teilweise stimmt das.

 

Fazit

Die Digitalisierung löst die historische Verbindung zwischen Arbeit als Tätigkeit und Ort zunehmend auf und beschert uns mit den Vorzügen des autonomen Arbeitens. Demzufolge steigt die Zahl der mobilen Arbeiter stetig an. Eigentlich sind mobile Mitarbeiter ein Segen für jeden Arbeitgeber, da sie oft effizienter arbeiten und glücklicher sind als ihre Kollegen im Büro. Dennoch stellt sich die Arbeitgeberschaft aus Angst vor Kontrollverlust erst langsam auf die neue Realität ein. Wie jede Medaille hat auch die Autonomie ihre Kehrseite. Für Mitarbeiter, die viel Wert auf den kollegialen Kontakt und das soziale Miteinander im Büro legen, ist das Home Office keine Alternative. Im Wettbewerb um Talente müssen sich Arbeitgeber dem Mobile-Trend stellen und potenzielle neue Mitarbeitern mit flexiblen Arbeitsmodellen begeistern. Arbeitgeber müssen lernen, die Arbeit ihrer Angestellten nach Leistung und nicht nach Zeit zu belohnen.

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2 Replies to “Gehst du noch in´s Büro oder arbeitest du schon?

  1. Gäbe es den Button, würde ich hier jetzt einen Like da lassen… Iwie hab ich gerade eine Neue Idee zu einem Plugin 😀

    Interessant mal deine Sichtweise von beiden Seiten zu erfahren. Denke Konzentration sollte im Digitalen Zeitalter sowieso eine größere Rolle spielen. Die Informationsflut hat schließlich massiv zugenommen, da fällt es schwer sich dabei zu konzentrieren. Zum Teil sogar Zuhause!

    Habe meine Perfekte Lösung mittlerweile gefunden. Keine Musik, Sondern Binural Soundwaves/ Frequenzes. Gibt da ein sehr Guten Kanal auf Youtube: Mediative Mind! Meine Konzentration ist dadurch Massiv gestiegen. Ist vielleicht am Anfang alles ziemlich Yoga und so, Aber wenn man sich drauf einstellt echt ein Wunder 😀

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